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Zeltner & Co

60/40-Portfolio unter Druck: Welche Alternativen zu Anleihen bieten sich Anlegern in der Schweiz?

AUGUST 2026

Blogartikel von Patrick Spichiger,

CEO

Warum das klassische 60/40-Portfolio ausgedient hat – und wie Anleihen substituiert werden können
«Anleihen sind im aktuellen Umfeld unattraktiv» – dieser Satz ist derzeit in aller Munde, in Anlagekomitees ebenso wie in der Finanzpresse. Diese Sicht teilen wir. Das klassische 60/40-Portfolio – 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen beziehungsweise Obligationen – basiert wesentlich auf der Annahme, dass Anleihen laufende Erträge liefern und Aktienrisiken im Portfolio diversifizieren. Heute prägen jedoch tiefe Zinsen, hohe und gemäss des OECD Global Debt Report 2026 weiter steigende Staatsverschuldung und eine Aktien-Anleihen-Korrelation die Anleihemärkte. Anleiheinvestoren erhalten heute weniger Ertrag bei steigenden Risiken. Unter Berücksichtigung der Inflation bleiben real betrachtet Erträge nahe Null. Nach Kostenabzug sehen wir die erwarteten Erträge oft im negativen Bereich.

Auffällig sind dabei zwei Umstände:

1. Ein erstaunlich hoher Anteil an Anlagespezialisten teilt zwar diese Ansicht, zieht daraus jedoch nur begrenzt Konsequenzen für die strategische Vermögensallokation: Das klassische «Balanced-Portfolio» ist nach unserer Erfahrung weiterhin umfassend in Gebrauch und investiert – gezwungen von den entsprechenden Anlagereglementen – standardmässig signifikante Anteile in Anleihen. In den von Tradition geprägten Strukturen der Vermögensverwaltung findet sich für viele Marktteilnehmer kein Raum für Bewegung.

2. Auch jene Marktteilnehmer, die Ihre Allokation anpassen, greifen häufig auf dieselben etablierten Alternativen zurück und haben einen begrenzten Blick für neue Möglichkeiten im heutigen Anlageuniversum: Dividendenaktien, High-Yield Anleihen, Immobilien und Sparkonto sind die oft genannten Klassiker, um den Herausforderungen zu begegnen. Damit wird den heutigen Anlagemöglichkeiten deutlich zu wenig Rechnung getragen und attraktive Diversifikationsmöglichkeiten bleiben ungenutzt. Wer heute über die Substituierung von Anleihen nachdenkt, muss sich von Traditionen lösen und im aktuellen Marktumfeld breite Diversifikation über verschiedene auch neuere Anlageklassen suchen. Genau mit dieser Suche beschäftigen wir uns täglich und zeigen Ihnen auf, wie wir Anleihen in unseren Mandaten konkret substituieren.

Ein Blick auf die Vergangenheit: Warum entstand das 60/40-Portfolio überhaupt?
Das klassische 60/40-Portfolio, bestehend aus 60% Aktien und 40% Anleihen, galt über Jahrzehnte als Grundpfeiler institutioneller wie privater Vermögensverwaltung in der Schweiz und darüber hinaus. Diese Popularität war kein Zufall, sondern Ausdruck eines Umfelds, welches dem Modell in die Hände spielte. In einem über weite Strecken stabilen und planbaren Zinsumfeld warfen Anleihen attraktive Coupons beziehungsweise laufende Zinserträge ab und fungierten als verlässlicher Ertrags- und Stabilitätsanker. Entscheidend war dabei die über lange Zeit geringe bis negative Korrelation zwischen Anleihen und Aktien: Gerieten die Aktienmärkte unter Druck, tendierten die Anleihenkurse zu steigen und fingen einen Teil der Verluste auf, gleichsam einer eingebauten «Versicherung». Hinzu kamen handfeste praktische Vorzüge: Das Modell war einfach, transparent, kostengünstig und liquide. Es liess sich ebenso leicht kommunizieren wie in standardisierte Anlagelösungen giessen. All diese Faktoren zusammen machten das 60/40-Modell über Jahrzehnte zur naheliegenden Antwort auf die Frage nach einer sinnvollen Portfoliokonstruktion. Nun steht die Vermögensverwaltungsbranche in der heutigen Zeit vor der Herausforderung, dass sich die strukturellen Voraussetzungen, auf denen dieses Modell beruhte, fundamental verändert haben.

 

Warum das 60/40-Portfoliomodell unseres Erachtens nicht  für die Zukunft geeignet ist
Die Ausgangslage von damals lässt sich mit dem heutigen Umfeld kaum mehr vergleichen. Verschiedene Einflussfaktoren haben die Rolle der Anleihen im Portfolio verändert. Die aus unserer Sicht zentralsten Punkte sind dabei wie folgt:

1. Gestiegene Staatsverschuldung:  
Die untenstehende Entwicklung am Beispiel der US-Staatsverschuldung seit 1975 zeigt auf, dass die Staatsverschuldung in den letzten Jahrzehnten in Relation zum Bruttoinlandprodukt gestiegen ist. Dasselbe gilt für viele weitere Länder. Diese Entwicklung verschiebt das Risikoprofil vermeintlich sicherer Staatsanleihen zu Ungunsten der Investoren. Wo die Schuldenquoten hoch sind und weiter steigen, tragen Investoren ein höheres Bonitätsrisiko, als es das Etikett „risikofrei“ suggeriert. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Herabstufung der USA durch Moody’s im Mai 2025, mit der auch die letzte der drei grossen Ratingagenturen den USA die Bestnote (AAA) entzog.

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US-Staatsverschuldung in % des BIP (Quelle: FRED)

2. Tiefzinsen
Die Schweiz ist für Tiefzinsen als Paradebeispiel bekannt. Sie ist weiterhin ein sicherer Hafen, bietet dafür aber kaum Rendite. Per 14. August 2026 erzielen zehnjährige Bundesobligationen der Schweizerischen Eidgenossenschaft eine Rendite von 0.43% p.a. und damit erzielen sie unter Berücksichtigung von Inflation und Kosten kaum eine positive Rendite. Nicht nur in der Schweiz ist dies zu beobachten: Die untenstehende Grafik zeigt einen klaren Trend sinkender nominaler und realer Renditen von US-Staatsanleihen mit immer häufiger auftretenden Phasen von negativen Realrenditen.

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Nominale und reale Rendite 10-jähriger US- Staatsanleihen (Quelle: FRED)

3. Positive Korrelation:
Aktien und Anleihen bewegen sich zunehmend im gleichen Rhythmus, insbesondere in inflationsgetriebenen Schockphasen. Damit entfällt genau jene Funktion, für die Anleihen für lange Zeit ins Portfolio aufgenommen wurden – die Diversifikation gegenüber Aktienrisiken.

Eindrücklich zu sehen ist das an der untenstehenden historischen Aktien-Anleihen-Korrelation am Beispiel der USA. In den rund zwei Jahrzehnten vor 2022 war die Korrelation zwischen den beiden Anlageklassen über weite Strecken negativ. Fielen die Aktien, stiegen tendenziell die Anleihen, was den gewünschten «Hedge» lieferte und dem 60/40-Modell seinen Ruf einbrachte. Schaut man jedoch weiter zurück, zeigt sich, dass diese Gegenläufigkeit kein Naturgesetz ist. In den inflationsgeprägten 1970er- und 1980er-Jahren, teils auch in den 1990ern, war die Korrelation über lange Strecken positiv: Aktien und Anleihen bewegten sich gemeinsam. Seit 2022 ist sie erneut ins Positive gedreht. Ob Anleihen als Diversifikator taugen, hängt somit massgeblich vom Makroregime ab.

Rollierende Korrelation zwischen US-Staatsanleihen (US Long Treasury Index) und US-Aktien (S&P 500) anhand von Total Returns zwischen Januar 1975 und Juli 2026 (Quelle: FRED)

Fazit:
Das Fundament, auf dem das 60/40-Portfolio errichtet wurde, ist seit längerem brüchig geworden. Wer Anleihen heute unverändert im gleichen Umfang und mit derselben Erwartungshaltung wie in der Vergangenheit hält, wählt weniger Zinsertrag, höhere Ausfallrisiken und eine tiefere Diversifikation des Portfolios – allesamt keine positiven Elemente.
Für Anlegerinnen und Anleger stellt sich damit die berechtigte Frage, wie sich Anleihen im Portfolio sinnvoll substituieren lassen.

Anleihensubstitution – aber womit?
Wir haben dargelegt, was das 60/40 Portfolio ist, weshalb wir bei Zeltner & Co und viele weitere Anlagespezialisten es im heutigen Umfeld als nicht mehr zeitgemäss erachten und welche Lösungen auf die Herausforderungen oft genannt werden. Eine Teilsubstituierung mit Dividendenaktien, Immobilien oder erhöhte Liquidität geht unseres Erachtens im aktuellen Marktumfeld zu wenig weit und stellt keine umfassende und attraktive Investitionslösung dar.

Eine robuste Substitution setzt aus unserer Sicht auf mehrere breit gestreute alternative Anlagen mit einer nachweislich geringen Korrelation zu den traditionellen Aktienmärkten bei tieferen Schwankungen.

Immobilien, Edelmetalle wie Gold und Silber, Private Credit oder, in kleinerer Dosierung, Kryptowährungen zählen zu den Anlageklassen, die häufig als alternative Anlagen zum Einsatz kommen. Solche Bausteine sind wertvoll, um ein Portfolio breiter abzustützen, doch ist das Potenzial alternativer Anlagen damit längst nicht ausgeschöpft.

Bei Zeltner & Co nutzen wir die Innovationen der letzten Jahrzehnte und die daraus entstandenen Investitionsmöglichkeiten:

Für interessante alternative Renditequelle halten wir beispielsweise Royalties. Sie erzielen ihre Erträge aus Lizenz- und Nutzungsrechten, wie sie etwa im Musik-, Pharma-, Medien- oder Natural-Gas-Bereich anfallen. Royalty Investments ermöglichen Anlegern die Beteiligung an Zahlungsströmen aus diesen Lizenz- und Nutzungsrechten. Ihre Wertentwicklung hängt damit vom tatsächlichen Konsum- und Nutzungsverhalten ab und nicht von der Börsenentwicklung. Erst durch in den letzten Jahren entstandene Geschäftsmodelle wie Musik- oder Filmstreaming haben sich diese Anlageklasse für Investoren attraktiv entwickelt – heute gilt es sie zu evaluieren und nicht einfach aussen vor zu lassen.

Einer ähnlichen Logik, aber aus einer ganz anderen Quelle, folgen Cat Bonds. Diese sogenannten Katastrophenanleihen sind an das Eintreten versicherungstechnischer Ereignisse wie Wirbelstürme oder Erdbeben geknüpft. Ihre Rendite bemisst sich daran, ob solche Ereignisse eintreten oder ausbleiben, weshalb sie historisch eine geringe Korrelation zu den Finanzmärkten aufweisen.

Swiss Re Cat Bond Instituti und Anleihen Wertentwicklung (Core Global Aggregate Bond UCITS ETF) über die letzten 5 Jahre (Quelle: iShares und GAM)

In der obenstehenden Grafik ist zu sehen, dass globale Anleihen in den letzten fünf Jahren deutliche Wertverluste verzeichneten, während Cat Bonds, veranschaulicht am Beispiel des GAM Swiss Re Cat Bond Instituti, positive Renditen erzielten. Die unterschiedliche Wertentwicklung unterstreicht, dass ihre Renditetreiber weitgehend unabhängig von den Entwicklungen an den Anleihe- und Aktienmärkten sind und sie somit einen wertvollen Beitrag zur Diversifikation eines Portfolios leisten können.

Eine ebenfalls attraktive Nische sehen wir beispielsweise in Direktfinanzierungen an Schweizer Investoren oder Firmen – sie bieten unkorrelierte und attraktive Erträge in Schweizer Franken und profitieren von einem hohen Nachfrageüberhang für Finanzierungslösungen.

Eine besondere Rolle nehmen schliesslich Hedge Funds ein. Sie sind teilweise in Verruf geraten und werden pauschal oft als hochspekulativ wahrgenommen. Tatsächlich handelt es sich aber um eine sehr grosse und äusserst heterogene Anlageklasse. Das zeigt sich an einigen Ansätzen aus diesem Spektrum. Global-Macro-Strategien setzen beispielsweise auf übergeordnete volkswirtschaftliche Entwicklungen wie Zins-, Währungs- oder Konjunkturtrends. Market-Neutral-Strategien wiederum halten Long- und Short-Positionen in etwa gleichem Umfang und zielen darauf ab, unabhängig von der Marktrichtung Erträge zu erwirtschaften. Arbitrage-Ansätze nutzen hingegen kleine Preisunterschiede zwischen verwandten Wertpapieren. Gerade weil solche Strategien darauf ausgelegt sind, sich unabhängig von der Richtung der Aktienmärkte zu entwickeln, können sie einen wertvollen Diversifikationsbeitrag und regelmässige Erträge leisten. Sie tragen somit ebenfalls zur Substituierung von Anleihen bei und bilden einen wichtigen Pfeiler dafür.


Nicht nur reden, sondern handeln: Umsetzung in unseren Mandaten
Den Markt zu beobachten und Überzeugungen zu gewinnen ist das eine, die konsequente Umsetzung in den Kundenmandaten das andere. Für uns bedeutet das konkret, dass wir alternative Anlagen nicht als taktische Beimischung verstehen, sondern systematisch und umfassend in die strategische Anlage-Allokation unserer Vermögensverwaltungsmandate integrieren. Sowohl unsere Core-Strategie als auch unsere Cashflow-Driven-Strategie bauen alternative Anlagen als festen strukturellen Baustein ein, statt sich weiterhin auf ein klassisches Aktien-Anleihen-Gerüst zu verlassen. Als Boutique haben wir uns dabei gezielt Zugang zu Anlageklassen erarbeitet, die für Privatanleger und selbst für viele institutionelle Investoren nur schwer zugänglich sind – von Royalty Funds über Cat Bonds bis hin zu direkten Investitionen in physische Industriemetalle oder Direktfinanzierungen. Wie unsere Portfolio-Managerin Mirjam Stalder im Interview zur Positionierung von Zeltner & Co gegenüber Banken bereits erläutert hat, ist dieser Zugang und die Abkehr von der klassischen Aktien-Anleihen-Konstruktion zugunsten echter Diversifikatoren für uns ein wesentliches Differenzierungsmerkmal als unabhängiger Vermögensverwalter. Entscheidend ist letztlich, dass unsere Markteinschätzung sich auch tatsächlich im Portfolio widerspiegelt und für unsere Kunden Wert schafft: Reden und Analysieren allein genügt nicht, die Überzeugungen müssen sich in der konkreten Portfolioumsetzung zeigen.

Häufig gestellte Fragen zur Substituierung von Anleihen

Was sind Cat Bonds?

Cat Bonds, auch Katastrophenanleihen genannt, sind Wertpapiere, die von Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften ausgegeben werden, um einen Teil ihrer Katastrophenrisiken auf die Kapitalmärkte zu übertragen. Anleger erhalten im Gegenzug attraktive Coupons. Zu einem Verlust kommt es nur, wenn ein zuvor genau definiertes Katastrophenereignis tatsächlich eintritt, etwa ein Erdbeben oder ein Hurrikan bestimmten Ausmasses in einer definierten Region. Die Rendite hängt damit von versicherungstechnischen Ereignissen ab und nicht von der wirtschaftlichen Entwicklung oder dem Aktienmarkt.

Nein, Anleihen sind nicht wertlos. Ihr Risiko-Ertrags-Profil hat sich jedoch spürbar verschlechtert. Historisch hohe Schuldenniveaus, unattraktive Realrenditen und eine zunehmend positive Korrelation zu Aktien schränken ihre klassische Funktion als Stabilitäts- und Diversifikationsanker im Portfolio deutlich ein. Anleihen bleiben durchaus ein Baustein in der Vermögensverwaltung, jedoch nicht mehr im bisherigen Umfang und nicht mehr mit derselben Funktion wie noch vor einigen Jahren.

Alternative Anlagen umfassen Anlageklassen ausserhalb der klassischen Aktien- und Anleihenmärkte, deren Wertentwicklung typischerweise nur eine geringe oder gar keine Korrelation zu traditionellen Finanzmärkten aufweist. Dazu zählen unter anderem Royalty Funds, Cat Bonds, physische Industrie-Metalle sowie weitere Real- und Sachwertanlagen. Ihr Nutzen für Anleger liegt in der echten Diversifikation eines Portfolios, da ihre Wertentwicklung von Faktoren getrieben wird, die weitgehend unabhängig von den traditionellen Kapitalmärkten sind.

Im Rahmen von Vermögensverwaltungsmandaten haben wir mit Zeltner & Co einen sehr effizienten Zugang zu alternativen Anlagen geschaffen. Dadurch können Anleihen bereits früh breit diversifiziert und vollumfänglich substituiert werden.

Ein wesentlicher Baustein hierfür ist unser Stable Return AMC, das sich auf alternative Anlagen fokussiert und Zugang zu einer diversifizierten Auswahl an Hedge Funds, Musik-Royalties, Cat Bonds und weiteren alternativen Anlagestrategien ermöglicht. Viele dieser Anlagen wären für Investoren direkt nur mit deutlich höheren Mindestinvestitionen zugänglich. Durch die Bündelung innerhalb unserer Struktur ist der Zugang zum Stable Return AMC bereits ab einer Mindestinvestition von CHF 50’000 möglich. 
Damit lässt sich die Substitution von Anleihen auch mit kleineren Anlagebeträgen effizient und breit diversifiziert umsetzen. Gleichzeitig liegt der Fokus auf stabilen Renditen bei geringer Volatilität, ohne dass hohe Mindestinvestitionen in die einzelnen zugrunde liegenden Anlagen erforderlich sind.